Start: Unser erster Tag an die Ostsee

Es geht los!

Nun ist es soweit. Unser erster Tag auf dem Weg an die Ostsee im Rollstuhl beginnt. Elmar und ich hatten uns für 10 Uhr am Bahnhof Bernau (b.Berlin) verabredet. Pünktlich um 10 Uhr traffen wir uns also um unseren Weg auf dem Berlin-Usedom Radfernweg zu starten. Nach einer knappen Stunde Vorbereitungszeit für Fahrrad und Rollstuhl konnte es nun endlich losgehen Kameras wurden am Rollstul und am Hawazuzi (Handwagen zum ziehen) angebracht um die ganze Unternhmung auch auf Band fest zu halten. Gepäck, Getränke, Zelt, Schlafsäcke und Proviant wurden verstaut, so dass wir nun Startklar waren.

11:30 Nach kurzer Befragung einer älteren, sehr netten Dame, die uns den Weg beschreiben sollte, so dass wir auf den Radfernweg kommen, mussten wir feststellen, dass diese uns nach 3 Minütiger Ansprache den Weg nicht vermitteln konnte. Wir hatten Verständnis und schlugen uns allein mit unserem Kartenmaterial, welches Elmar ausgedruckt hatte, selbst bis zum Radfernweg durch. Die ersten 5 Kilometer fuhren wir eine sehr ebenerdige Strecke entlang durch kleine Ortschaften. Ladeburg, Mechesse und Lobetal hatten wir also nun passiert. Die nächsten 5 Kilometer bis Biesenthal waren schon etwas anspruchsvoller. Leichte bergauf Passagen galt es zu meistern sowie meine schlimmste Befürchtung die ich hatte. Die da hieß: “Waldwege.” Aber auch den Waldweg hatten wir erfolgreich hinter uns gebracht, da es nur ein kleines Stück durch den Wald ging. Nach ca 10 Kilometern waren wir in Biesenthal angekommen, hatten uns einen Stop am Penny Supermarkt der zur rechten Hand lag als kleine Pauseneinlage rausgesucht. Wir kauften Cola und Mineralwasser, Tranken und fuhren auch schon weiter. Wir mussten nämlich feststellen das wir für die ersten 10 Kilometer 1 1/2 Stunden brauchten. Nach Biesenthal kam ein kleines Dörfchen, welches sich Wehrmühle nannte. Wir bogen links ab und fuhren ca 4,5 Kilometer bis wir feststellten, dass wir uns verfahren hatten. Wir durchquerten Prenden als wir feststellten, dass wir links von unserer ursprünglischen Route abgekommen sind. Nun hieß es also knapp 5 Kilometer zurück nach Biesenthal um wieder auf den Radfernweg zu gelangen. Nach ca. 10 Kilometer Umweg und nun 3 Stunden die vergangen waren, war das nächst Ziel für unsere Köpfe und unser immer noch bestehendes Moto: “niemals Aufgeben”  Joachimsthal.

14:30

Die nächsten 10 Kilometer in Richtung Grafenbrück sollten uns einmal mehr fordern. Es ging permanent bergauf und zu unserem Erstaunen fast nie bergab. Es war ein Kampf. Für Material und auch für uns, da es viele steile bergauf Abschnitte, sowie Waldwege, die sehr sandig waren aber auch Kopfsteinpflaster zu überqueren galt. Es war die wohl anstrengenste Passage auf der Route, die wir bis hier hin passiert hatten. Permanentes bergauf fahren waren wir als solches auch nicht gewohnt, obwohl wir in unseren Trainingseinheiten am Fläming-Skate den einen oder anderen Anstieg trainiert hatten.

Es sollte noch schlimmer kommen:

Nach 30 Kilometern in Grafenbrück angekommen, lag auf der rechten Seite ein Restaurant, welches wir gekonnt ignorierten, obwohl wir einen mega Kohldampf hatten. Uns hätten sicherlich auch ein paar Kohlenhydrate gut getan um den Energiehaushalt aufzufüllen. Wir wollten aber keine Zeit verlieren da uns am Zielort ein warmes Essen serviert werden sollte, welches die Familie wo wir schlafen solllten zubereiten wollte. Also ging es weiter Richtung Eichhorst an Rosenbeck vorbei. Ein paar kleine Pausen hatten wir hin und wieder eingelegt um uns Wasser über den Kopf zu gießen, da wir bei 39° C Cellsuis eine gefühlte Körpertemperatur von 100° C Cellsius hatten. Sage und schreibe bereits 8 Liter Wasser hatten wir auserdem zu uns genommen um uns bei dieser Bullen Hitze vorwärts bewegen zu können. Energieriegel, die wir vor Antritt der Fahrt in einer Apotheke kauften, waren unser einziger Energiezulieferer bis hierhin.  Ca. 37 Kilometer lagen nun hinter uns und es sollte eine der schwersten Herausforderungen für Elmar aber vor allem für mich vor uns liegen.

Der Werbelinsee, Mamut bergauf Etape

Da es schon ca 16:30 gewesen ist und wir Meter machen mussten dachten wir, dass wir es etwas schneller angehen müssten um 20 Uhr am Zielort an zu kommen. Aber was nun kommt war ein Horrortripp wie er im Buche steht. Wir mussten um den Werbelinsee herrum fahren, wobei es hier nur bergauf ging. Es waren so steile bergauf Passagen, dass wir teilweise schieben mussten. Das hieß also, Elmar schob mich und ich hatte sein Fahrad in meiner linken Hand welches ich neben mich her Schob. Es war so steil, dass sogar andere Radfahrer die wir sahen schieben mussten weil diese selbst auch nicht mehr diesen Anstieg hienauf kamen. Ca. 10 – 15 Kilometer ging es nun also schon Berg auf und es gab keine Aussicht auf eine bergab Passage. Nach 15 Kilometern bergauf ging es dann nun ein wenig bergab und Elmar musste Festellen das seine Kette immer wieder vom Zahnrad sprang bzw. die Gänge nicht mehr korrekt geschaltet haben. Dieses Problem bestand nun schon einige Kilometer, außerdem gingen unsere Wasserreserven zur Neige.

Noch 25 Kilometer bis zum Ziel:

Wir hatten nun auch diesen Mamut Berg am Werbelinsee gemeistert und waren sehr froh, diesen Anstieg gemeistert zu haben. Es war die wohl größte und anstrengenste Etappe auf der ganzen Route bis hier hin. Das Trinnken war nun auch alle und wir wollten noch bis Joachimsthal fahren um dort die Reserven wieder aufzufüllen. Doch alles kam anders als erwartet. Das schlimmste was uns hätte passieren können trat ein. Ich fuhr ein paar Meter vor Elmar als ich es nur knallen hörte. Ein Fluch, welchen ich hier zensieren muss “PIEPPPPPPPPPPPPPPP” drang in mein Ohr.

Alles ist aus:

Die Kette von Elmars Fahrrad  war gerissen, ein weiterkommen war nicht mehr möglich. Nach ca 65 Kilometern kurz vor Joachimsthal war unsere Reise fürs Erste zu Ende. Kette gerissen, Getränke alle und keine Aussicht auf Hilfe. Wir konnten nun also nur das Fahrad von Elmar zum nächsten Bahnhof schieben, uns in den Zug setzen und nach Bernau (b.Berlin) zurück fahren. Zum Glück war der nächste Bahnhof nur wenige Meter von uns entfernt, sodass wir Glück im Unglück hatten. In Bernau angekommen, meisterten wir nochmals einen defekten Fahrstuhl im Bahnhof. Anschließend fuhren wir mit dem Auto nach Haus und die Reise geht am 05.08.2013 weiter. Denn ganz getreu unserem Moto wird das Ziel in Augenschein genommen. “Niemals Aufgeben.”

 

 

 

 

Trainingseinheit im Rollstuhl

2 Wochen vor der Tour gönnen wir uns noch mal eine Trainingseinheit auf dem Flämingskate. Wir kombinieren zwei Routen, RK 6 und 7 zu einer großen Tour. Los geht es in Niendorf.

Die ersten 30 km sind geschafft. Kurzer Boxenstop und dann die nächsten 30 km. Gruß aus Oehna vom Kleeblatt.

Unterwegs im Rollstuhl

Im Rollstuhl unterwegs, Vorbereitung für die Reise an die Ostsee

Natürlich ist nichts so effektiv wie eine Trainingseinheit direkt auf meinem Rollstuhl. Doch wenn es mal gar nicht geht vom Wetter oder weil Reparaturen anstehen, dann halte ich mich auch gerne beim Training auf meinem Crosstrainer in Form: http://crosstrainer.de/wie-lange-dauert-es-bis-man-durch-training-mit-dem-crosstrainer-gewicht-verliert/

 

Flaeming-Skate: Im Rollstuhl durch den Skater-Park – Erfahrungsbericht

Das erste große Training im Rollstuhl auf unserem Weg zur Ostsee sollte also nun beginnen. Elmar hatte sich im Internet eine schöne Strecke auf dem Flaeming-Skate rausgesucht. Diese Strecke sollte uns am 1. Trainingstag alles abverlangen. Wir hatten uns den Rundkurs 5 rausgesucht.

Angekommen am Flämingskate, machten wir uns startklar. Die Route, die Elmar herausgesucht hatte, fing die ersten zehn Kilometer recht ebenerdig an und war von uns beiden ohne große Komplikationen gemeistert worden. Eine wunderschöne Landschaft begleitete uns. Links so wie rechts sahen wir Felder, welche wunderschön anzusehen waren und am Horizont sahen wir auch schon unsere erste Herausforderung. Eine ca 13 Kilometer lange Strecke, die bergauf ging. Da es mein erstes Training im Rollstuhl mit dem Handbike gewesen ist, dachte ich mir nur: “Augen zu und durch!” – zumal wir uns ein Moto in unseren Köpfen eingehämmert haben: Niemals aufgeben.

Niemals aufgeben

Die ersten vier Kilometer bergauf waren für mich noch sehr leicht zu meistern. Dann jedoch fing es an richtig steil bergauf zu gehen. Elmar fuhr also neben mir mit einer Hand an meinem Rollstuhl und gab mir Unterstützung, damit ich diesen Himalaya überwinden konnte. Nach neun Kilometern bergauf waren wir beide sowas von K.O., dass wir uns erst einmal eine Auszeit nehmen mussten. Wir dachten nur: 23 Kilometer haben wir geschafft, kommen ja nur noch 37 Kilometer und wir haben uns einmal mehr an unser in den Köpfen eingehämmertes Moto erinnert: Niemals aufgeben.

Wir machten eine kleine Pause, tranken und aßen etwas, damit wir wieder zu Kräften kamen. Da es auf dem Fläminskate viele Restaurants so wie Pausenmöglichkeiten auf den Teilstreckenabschnitten gibt, waren wir sehr froh ein Retaurant gefunden zu haben, wo wir uns stärken konnten. Nun ging es alo weiter. Die nächsten sechs Kilometer waren Erholung pur, da es erst einmal bergab ging und wir uns rollen lassen konnten. Unser Ziel hieß Schlenzer, ein kleines Dorf, wo wir noch einmal eine kleine Pause einlegen wollten. Kurz vor Schlenzer jedoch wieder ein kleiner, aber sehr harter Anstieg über drei Kilometer. Elmar musste erneut seine Hand an meinen Rollstuhl anlegen und Unterstützung leisten. Jetzt hatten wir 31 Kilometer zusammen gemeistert und hatten also die Hälfte geschafft. Wir waren völlig kaputt, da die Route am Flaeming-Skate, die Elmar sich herausgesucht hatte, doch einen ganz schön harten Anstieg beinhaltete.

Die Höhen & Tiefen unserer ersten Trainingstour

Zum Glück ging es die restlichen 30 Kilometer nur noch bergab. Außer ein paar kleinen Bergen sollten wir dies nun recht zügig hinter uns legen. Zumal wir für die ersten 30 Kilometer mit Pause fast 4,5 Stunden gebraucht hatten. Mein Handbike machte zudem die ganze Zeit bergauf Probleme, da meine Kette andauernd raussprang und ich somit keinen Vortrieb hatte. Die letzten 30 Kilometer am Flaeming-Skate gingen in nur 2,5 Stunden flott vorbei, da wir Großteile der Strecke bergab rollen konnten. Hier und da machten wir noch einmal eine kleine Pause, um zu trinken und das ein oder andere Bier in den an der Strecke liegenden Restaurants zu uns zu nehmnen. Nach 25 Kilometern bergab war das Ziel also nun in naher Reichweite. Es waren noch fünf Kilometer, die nur noch ebenerdig waren und sowohl Elmar als auch ich waren so froh, dass wir das erste Training mit einer Streckenlänge von ca. 60 Kilometern beendet hatten.

Unser Material – Rollstuhl sowie Handbike und Fahrad – hatte alles gut durchgestanden. An der Strecke vom Flaemingskate Berlin-Luckenwalde selber gab es behindertengerechte Toiletten, so dass auch ich als Rollstuhlfahrer ohne Probleme jederzeit auf  Toilette konnte. Wichtig ist es, einen Euro-WC-Schlüssel bei sich zu haben, da es Behinderten-Toiletten auf dem Flaeming-Skate gibt, die nur damit geöfnett werden können. War einmal keine Toilette in der Nähe, gab es genug Restaurants auf der ganzen Strecke, welche auch Behinderten-Toiletten hatten.

Fazit: Flaeming-Skate – Für Rollstulfahrer geeignet?

Fazit: Das Training war sehr anstrengend, aber nach vier Jahren die erste große Mega-Herausforderung für mich, die ich meines Erachten mit Elmar super gemeistert habe. Vier Tage Muskelkater inbegriffen. Alles in allem kann ich den Flaeming-Skate für Rollstuhlfahrer mit Handbike nur empfehlen. Superviele Streckenkobinationen sind möglich. Immer behindertengerechte Straßenbeläge ohne große Löcher, Kanten oder Bordsteine. Zahlreiche Restaurants und eine wundervolle Landschaft erwartet einen.

In zwei Wochen werden wir das 2. Training starten, welches dann noch einmal zehn Kilometer mehr beinhalten wird und natürlich werden wir auch darüber berichten. Außerdem erwarten euch noch Ratschläge allgemein zum barrierefreien Wohnen: Rollstuhlfahrer können sich hier bei Bad und Baden zum Beispiel für ein barrierefreies Wohnen und speziell: im Badezimmer einrichten.

Die Generalprobe im Rollstuhl

Um uns auf die “große Reise” vorzubereiten, hatten Frank und ich uns für vergangenen Sonntag verabredet. Eine Tour im Rollstuhl auf dem Fläming-Skate sollte zeigen, wie weit unsere Kräfte reichen, wie gut die Ausrüstung ist, wie viele Kilometer wir zusammen bewältigen können. Einen ausführlichen Bericht könnt Ihr hier in Kürze lesen.

Hier vorab einmal die Höhenmeter…

hoehenprofil-rk5

Frank in Aktion

Unterwegs im Rollstuhl

… meistens nur von hinten zusehen …

Viele Grüße
Elmar

Von Berlin nach Usedom – Im Rollstuhl unterwegs durch Deutschland

Im Rollstuhl unterwegs durch Deutschland

Im Sommer eine Urlaubsreise machen, das mag jeder… Doch was wäre, wenn zwei Freunde aufbrechen – der eine auf dem Fahrrad und der andere mit dem Handbike, um die Welt zu entdecken? Dieses Projekt soll sich einem ganz besonderen Abenteuer widmen: Im Rollstuhl unterwegs durch Deutschland. Viele denken, dass Menschen im Rollstuhl die Welt nicht mehr so offen steht wie anderen – doch hier wird der Gegenbeweis angetreten! Auf dem Radwanderweg von Berlin bis Usedom! Mit dieser Strecke startet unser einzigartiges Projekt Im -Rollstuhl.de!

Guides & Infos für Rollstuhlreisen

Dabei werden sich uns sicherlich auch viele Hürden in den Weg stellen, die es aber zu meistern gilt. Wie gut sind die Radwege Deutschlands im Rollstuhl befahrbar? Welche Streckenabschnitte eignen sich besonders – und welche eher nicht, weil die Fahrt zum Beispiel durch Schlaglöcher stark behindert wird. Wie transportiert man generell den Rollstuhl über solch große Distanzen? Per Anhänger? Und welche Alternativen zum Rolllstuhl gibt es? Wo kann man als Rollstuhlfahrer unterwegs Rast machen und welche Hotels auf den Strecken sind rollstuhlgerecht eingerichtet?

Im Rollstuhl ist noch nicht das Ende!

Im-Rollstuhl.de widmet sich diesen und noch anderen Problematiken und soll zeigen, dass selbst Menschen mit schweren Schicksalsschlägen die Welt noch immer offen steht. Sicher, einige Sachen gestalten sich schwieriger im Rollstuhl. Genau daher rührt unsere Idee: Wir wollen allen Widrigkeiten zum Trotz unserem Drang nach Abenteuer und Freiheit nachkommen. Damit es Nachamer, die unserem Gedanken folgen, hinterher leichter haben. Mit Reisereports, Bewertungen und Erfahrungsberichten aus erster Hand sowie aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers versorgen wir euch regelmäßig auf unseren Etappen. Ganz gemäß dem Motto: Im Rollstuhl ist noch nicht das Ende!

Von der Planung und der Organisation der Reise bis zur Durchführung – wir versorgen euch hier regelmäßig mit Guides und Infos. Schaut regelmäßig bei uns vorbei und erlebt das Abenteur auf Im-Rollstuhl.de hautnah mit!